Alle versuchen es, Sanchez gelingt‘s: Bei der Tour of the Alps jubelt wieder Astana

Der Spanier zeigt in Lienz seine Fähigkeiten als „Finisseur“ und gewinnt die vierte Etappe, auf der alle Top-Favoriten versucht haben, den Gesamtführenden Pinot abzuhängen.


Schaut man sich die Gesamtwertung der Tour of the Alps nach der heutigen vierten Etappe an, dem Teilstück, das die Athleten von Südtirol nach Tirol, bzw. von Klausen nach Lienz geführt hat, so könnte man zum Schluss kommen, dass auf diesen 134,3 Kilometern wenig bis gar nichts passiert ist. Das Gegenteil ist aber der Fall.

Luis Leon Sanchez (Astana) war es, der die Konkurrenz in die Schranken wies, und zwar auf jene Art und Weise, die ihn bekannt werden ließ und dank der er bereits zwei Mal die Clásica San Sebastián und vier Etappen bei der Tour de France für sich entschied. Sanchez rollte in Lienz als erster über die Ziellinie und imitierte dabei den jungen O‘Connor (Dimension Data), der sich 24 Stunden vorher durchgesetzt hatte.

„Ich hatte viel Wehmut nach der gestrigen Etappe, denn ich war auserkoren worden um den Sieg mitzufahren. Leider habe ich zu lange gezögert und dann ist mir der Australier abgehauen. Heute hatte ich keine Zweifel. Ich wollte es probieren ohne auf den Zielsprint zu warten. Es ist sich ausgegangen“, gab der Spanier zu Protokoll.

Sanchez sorgte für den dritten Sieg des Teams Astana auf dem vierten Teilstück. Die kasachische Mannschaft schockt die Konkurrenz – auch in Hinblick auf den Giro d‘Italia. Hinter dem Spanier belegte der Neuseeländer George Bennett (LottoNL-Jumbo) mit sechs Sekunden Rückstand den zweiten Platz, während dessen Teamkollege Koen Bouwman Rang drei belegte und somit die besten Fahrer des Feldes in die Schranken wies. Vierter wurde Thibaut Pinot (Groupama-FDJ), der als erster Fahrer bei der diesjährigen Tour of the Alps das Trikot des Gesamtführenden erfolgreich verteidigte. Diesen Teilerfolg musste sich der Champion aber hart erarbeiten. Denn bereits nach knapp 30 Kilometern ging das Getümmel los, als sieben Fahrer den ersten Fluchtversuch unternahmen: Ben Hermans (Israel Cycling Academy), Hubert Dupont (Ag2R-La Mondiale), David De La Cruz (Team Sky), Davide Villella (Astana), Mikel Bizkarra (Euskadi-Murias), Felix Grossschartner (Bora-hansgrohe) und Louis Meintjes (Dimension Data), zu denen wenig später auch Kristijan Durasek (UAE Team Emirates) und Mark Padun (Bahrain-Merida) stießen.

Als die österreichische Staatsgrenze passiert war, hatten die Ausreißer 2.16 Minuten Vorsprung auf das Feld und im virtuellen Gesamtklassement war nun Hermans Träger des Fuchsia Trikot. Auf dem Anstieg nach Anras holte das Feld aber zum Gegenschlag aus. Allen voran das stark arbeitende UAE Team Emirates. Auf dem Weg zum Bannberg verschärften schließlich Bouwman und der junge Trentiner Nicola Conci das Tempo, bevor auch Fabio Aru und Miguel Angel Lopez den Turbo zündendeten. Zu diesem Quartett schlossen Chris Froome, Pinot und Pozzovivo auf.

Nach Erreichen der Anhöhe lagen die nun insgesamt 14 vorne liegenden Fahrer wieder geschlossen beisammen, ehe keine 2 Kilometer vor dem Ziel Sanchez zum nächsten Angriff ansetzte. Bennetts Konterversuch war vergeblich.

Pinot konnte das Fuchsia Trikot des Gesamtführenden behaupten, mit jeweils 15 Sekunden Vorsprung auf Pozzovivo und Lopez, deren 16 auf Froome und deren 50 auf Aru. Allerdings war es für den Franzosen alles andere als einfach, um auch nach der vorletzten Etappe im Klassement an erster Stelle zu liegen. „Heute hatte ich nicht meinen besten Tag und ich habe mich sehr schwer getan, die vielen Angriffe abzuwehren. Pozzovivo, Lopez, Froome, Aru, das sind alles bärenstarke Fahrer, die dir jederzeit weh tun können – und das haben sie heute auch. Aber der Vorsprung bleibt intakt und es fehlt nur noch eine Etappe. 15 Sekunden können viel oder wenig sein. Morgen werden wir unser Bestes geben müssen, um diesen Erfolg nach Hause zu fahren. Der Gesamtsieg war mein erklärtes Ziel und nun muss ich diese Mission zu Ende bringen.“

Der Sieger von Meran Ben O‘Connor verteidigte das Weiße Trikot des besten Nachwuchsfahrers. Änderungen gibt es hingegen in den anderen beiden Wertungen: Pozzovivo schlüpt ins Grüne Trikot für den Führenden der Bergwertung, Ben Herman liegt in der Wertung der Zwischensprints vorne.

Morgen Freitag, 20. April geht die letzte Herausforderung der diesjährigen Tour of the Alps über die Bühne. Zwischen Rattenberg und Innsbruck sind 164,2 Kilometer zurückzulegen, wobei auf diesem Teilstück zwei Mal auf einem Teil des Kurses der UCI Road World Championships gefahren wird. Die drei Aufstiege zum Olympia Climb sind wohl die letzte Chance, um Pinot mit einer Tempoverschärfung den Gesamtsieg noch zu entreißen. Fix ist, dass alle Topfahrer bis zum letzten Meter kämpfen werden.

Morgen wird beim Ziel in Innsbruck um 12.30 Uhr auch Michele Scarponis gedacht, und zwar im Rahmen einer Gedenkfeier, die von Innsbrucks Bischof zelebriert wird. Daran werden auch die Eltern des verunglückten Profis aus den Marken teilnehmen.

Die fünfte Etappe der Tour of the Alps kann von 14 bis 15.30 Uhr live verfolgt werden, und zwar dank der Bilder von PMG Sport, die auf Eurosport 1 (Europa, Asien, Ozeanien), RaiSport (Italien), ORF (Österreich), TV 2 (Dänemark), L’Equipe (Frankreich), Eleven (Nordamerika), FloBikes (Nordamerika, Zentralamerika, Südamerika), SkySport (Neuseeland) und Econet (Afrika) ausgestrahlt werden. Bike Channel (Italien) überträgt zeitversetzt.

Der Livestream ist indessen auf der Facebookseite von PMG Sport, sowie auf den Portalen Pmgsport.it, Repubblica.it, Gazzetta.it, inbici.net, cicloweb.it, pulsemedia.it, oasport.it, LaPresse.it, Corrieredellosport.it, Tg.la7.it, Federciclismo.it, Tuttobiciweb.it, Cyclingpro.net, SpazioCiclismo.it, CiclismoSport.Go.tv, Mondiali.net und DirettaCiclismo.it verfügbar.