Französischer Sieg bei der Tour of the Alps durch Thibaut Pinot

Der Fahrer vom Team Groupama-FDJ verteidigt seine Führung im Gesamtklassement auf der letzten Etappe mit Ziel in Innsbruck, nachdem er sich 2017 noch hauchdünn geschlagen geben müssen.

Eine glanzvolle Tour of the Alps 2018 ist heute Freitag, 20. April würdevoll in Innsbruck zu Ende gegangen – in der Hauptstadt Tirols, wo im September die UCI Road World Championships stattfinden werden. Die zweite Ausgabe des neu geschaffenen Etappenrennens in der Euregio ging an Thibaut Pinot. Der Franzose vom Team Groupama-FDJ hatte im Vorjahr beim Debüt des vom GS Alto Garda organisierten Rennen den zweiten Platz belegt, knapp geschlagen von Sieger Geraint Thomas.

Die damalige Niederlage war für Pinot schwer zu verdauen. Nach seinem Sieg bei der letzten Etappe in Trient hatte er 2017 gesagt: „Ich liebe dieses Rennen und diese Orte. Im kommenden Jahr komme ich wieder, um zu gewinnen.“ Und Thibaut Pinot hat Wort gehalten, der heuer ohne einen Etappensieg zu feiern mit 15 Sekunden Vorsprung vor Domenico Pozzovivo (Bahrain-Merida) und Miguel Angel Lopez (Astana) triumphierte. Den vierten Platz belegte der eigentliche Top-Favorit dieser Tour of the Alps: Chris Froome, Kapitän des Team Sky, das den vierten Sieg in Folge damit verpasste. Froome hat bei dieser Tour of the Alps gezeigt, dass er konkurrenzfähig ist – zwar noch nicht in Top-Form, aber gewillt sich selbst und die Konkurrenz auf die Probe zu stellen. Ein wenig hinter den Erwartungen blieb hingegen Fabio Aru (UAE Team Emirates), der im Klassement auf Rang sechs zu finden ist, eine Position hinter George Bennett (LottoNL-Jumbo), der in Innsbruck – wie bereits in Pampeago – nicht mit den Top-Leuten mithalten konnte.

Den Etappensieg trug zum wiederholten Mal bei dieser Tour of the Alps ein aufstrebendes Talent davon: Der 21-jährige Ukrainer Mark Padun (Bahrain-Merida) setzte sich auf dem fünften Teilstück von Rattenberg nach Innsbruck (164,2 km) durch und feierte seinen ersten Sieg als Profi. Dabei entfloh er einer neunköpfigen Spitzengruppe, die sich bei den drei Aufstiegen auf den Olympia Climb – jenem Aufstieg, der bei den nächsten UCI Road World Championships im Mittelpunkt stehen wird – gebildet hatte.

Der Renntag hatte mit einem Fluchtversuch von insgesamt neun Fahrern begonnen. Bidard (Ag2r-La Mondiale), Bagioli (Nippo Vini Fantini), Rodriguez Garaico (Euskadi-Murias), Anton (Team Dimension Data), Gavazzi (Androni Giocattoli), Andreetta (Bardiani Csf), Senni (Bardiani Csf), Niv Guy (Israel Cycling Academy) und Mosca (Wilier Triestina Selle Italia) fuhren in der Folge einen Vorsprung von bis zu 10 Minuten heraus, ehe es auf die WM-Strecke ging. Einmal dort angekommen verschärften die Spitzenteams das Tempo und der Vorsprung der Ausreißer schmolz rasch dahin. Der Spanier Rodriguez durfte sich später aber über das Grüne Trikot für die Bergwertung freuen, während Pascal Eenkhoorn (LottoNL-Jumbo) das Rote Trikot für die Zwischensprints gewann. Als bester Nachwuchsfahrer wurde Ben O‘Connor (Dimension Data) mit dem Weißen Trikot prämiert, der als Gesamt-Siebter die Entdeckung dieser Tour of the Alps war.

Doch zurück zum Rennen: Kaum waren die Ausreißer beim zweiten Anstieg auf den Olympia Climb gestellt, da versuchte Miguel Angel Lopez die Konkurrenz bei der Abfahrt zu überraschen. Postwendend folgte der Gegenangriff von Pozzovivo und Pinot. Das Trio blieb bis fünf Kilometer vor dem Ziel vorne, ehe die von Chris Froome und seinem Edelhelfer Kenny Elissonde angeführte Gruppe aufschloss. Darauf folgte der mit dem Tagessieg gekrönte Alleingang von Padun.

Ich habe gesehen, dass der Platz für einen Fluchtversuch da ist. Und ich habe es vorgezogen, einen Versuch zu wagen, als danach einer vergebenen Chance nachzutrauern. Es ist erst mein drittes Rennen heuer und so langsam beginne ich zu verstehen, was für ein Typ Rennfahrer ich bin: Rennen mit kurzen Etappen könnten mein Weg sein. Vielleicht auch die Tour of the Alps, in der Zukunft…“, erzählte der junge Ukrainer.

Die Siegestrophäe des Künstlers Mastro7 ging in diesem Jahr aber an Thibaut Pinot: „Als ich in der Abfahrt mit Pozzovivo zu Lopez aufschließen konnte, da wusste ich, dass ich gewonnen hatte. Die Tour of the Alps ist eines der schönsten, aber auch härtesten Rennen, an dem ich je teilgenommen habe. Ich bin überglücklich, dass ich es meiner Erfolgsliste hinzufügen konnte. Es war eine perfekte Woche in einem der schönsten Flecken Europas. Im vergangenen Jahr habe ich versprochen, dass ich wiederkommen werde um zu gewinnen. Heuer verspreche ich, dass ich wiederkehre, um den Titel zu verteidigen.“

Sehr zufrieden zeigten sich auch die Vertreter Tirols, Südtirols und des Trentino, die die Tour of the Alps gemeinsam aus der Taufe gehoben haben und die als Sinnbild für die überregionale Zusammenarbeit steht: „Die Tour of the Alps hat sich bereits zu einem Spitzenevent entwickelt. Das beweist das hochkarätige Teilnehmerfeld, das für sehr viel Spektakel gesorgt hat. Das untermauert der große Sieger, der herzliche Empfang des Publikums bei den fünf glänzenden Etappen, die von wunderschönem Wetter gekennzeichnet waren. Vor allem aber hat die Tour of the Alps die exzellente Zusammenarbeit der drei Gebiete hervorgehoben: Die Euregio ist jetzt wirklich im Herzen des Radsports“, unterstrich Arno Kompatscher, Präsident der Euregio Tirol-Südtirol-Trentino.

In Innsbruck gab es auch Platz für die Erinnerung und Ergriffenheit, und zwar im Rahmen der Gedenkfeier für den vor rund einem Jahr tödlich verunglückten Michele Scarponi. Sie wurde vom Innsbrucker Bischof Hermann Glettler im Beisein von Giacomo und Flavia Scarponi, den Eltern Scarponis, sehr würdevoll zelebriert.

Sehr berührende Worte fand auch ein sichtlich bewegter Giacomo Santini, Präsident des GS Alto Garda: „Michele war ein Beispiel für alles, was der Radsport eigentlich sein sollte und was er dank Persönlichkeiten mit so viel menschlichen Qualitäten sein kann. Michele war ein großer Sportler, er war gleichzeitig lustig, großzügig und bescheiden. Ein Freund, ein Vater, ein Bruder. Im Radsport gibt es so viel mehr als die Ergebnislisten und Michele wird dort sein, in unserem Herzen, wo wir uns immer an ihn erinnern werden.“