Montaguti jubelt in Cles, Thomas weicht der französischen Kugel aus

Der Italiener feierte einen Sprintsieg in Cles, nachdem sein Teamkollege Dupont das führende Sky-Team gehörig unter Druck gesetzt hatte. Die Entscheidung über den Toursieg fällt morgen auf der letzten Etappe nach Trient.

Während der heutigen 4. Etappe der Tour of the Alps von Bozen nach Cles über 165,3 Kilometer sah es lange nach einer klassischen Fluchtetappe aus. Einige Profis nutzten ihre Chance und das Hauptfeld ließ sie gewähren. Aber die Trentino-Etappe der Euregio-Tour, die durch das Melinda-Apfelland sowie das malerische Nontal führte, hatte einiges zu bieten. Am Ende feierte Matteo Montaguti (Ag2r-La Mondiale) seinen ersten Profisieg nach sieben Jahren, hängte in Cles Thibaut Pinot (FDJ) und Rohan Dennis (BMC) nur knapp ab. Anspannung herrschte im Finale auch beim Gesamtführenden Geraint Thomas und seinem Sky-Team. Durch einen gewieften taktischen Schachzug des 37-jährigen Hubert Dupont war das Fuchsia-Führungstrikot bis zum letzten Kilometer in Gefahr. Am Ende konnte Thomas die Führung verteidigen. Pinot rückte dank der Bonussekunden auf 13 Sekunden näher. Dahinter liegt Domenico Pozzovivo mit 16 Sekunden Rückstand an der dritten Stelle. Auftaktsieger Michele Scarponi folgt auf dem vierten Platz (21 Sek.)

Was heute geschah …

Mit hoher Geschwindigkeit verließ das Peloton den Startort Bozen, Hauptstadt von Südtirol. Nach einigen Attacken gelang fünf Fahrern nach 20 Kilometern der entscheidende Vorstoß des Tages: Kilian Frankiny (BMC), Jeremy Roy (FDJ), Simone Andreetta und Stefano Pirazzi vom Team Bardiani-CSF sowie Davide Vilella (Cannondale-Drapac). Den Anstieg zum Mendelpass, wo sich Roy später die Bergpunkte sicherte, begannen sie mit zwei Minuten Vorsprung. Nach 62 Kilometern erreichten sie mit 4:16 Minuten ihren Maximalvorsprung.

Im Feld sorgte das Team Sky für beständig hohes Tempo. Bis zum Beginn der zweiten Bergwertung auf dem Forcella di Brez (fünf Kilometer mit zehn Prozent Steigung) konnte die Spitze nur mehr auf 46 Sekunden bauen. Wie zu erwartet, setzte schließlich Stefano Pirazzi in der Spitze Akzente und setzte sich ab. Frankiny versuchte ihm zu folgen, während im Hauptfeld Dario Cataldo und später der Italiener Danilo Celano sowie Thibaut Pinot und Alexander Foliforov ihr Heil in der Flucht suchten. Am Gipfel des Forcella di Brez hatte Pirazzi zehn Sekunden Vorsprung auf Frankiny und rund 25 Sekunden auf 15 Fahrer mit allen Top-Favoriten.

Gemeinsam bestritten Pirazzi und Frankiny die Abfahrt, während sich in der Verfolgergruppe Hubert Dupont (Ag2r-La Mondiale) lösen konnte. Dupont war ein gefährlicher Mann für den Gesamtführenden Thomas, denn er lag nur 1:02 Minuten hinter dem Sky-Profi. Sein Team organisierte in der Folge auch die Verfolgungsarbeit. Hier legte sich vor allem der letztjährige Giro del Trentino-Gewinner Mikel Landa ins Zeug für seinen Teamkollegen im Fuchsia-Trikot. Auf der Schlussrunde nach dem Etappenziel Cles schaffte Dupont den Anschluss zum Führungsduo. Was nach einem Triumph für das Spitzentrio aussah, wurde aber nur ein Kilometer vor dem Ziel wieder zunichte gemacht. Das Team Sky konnte die Lücke schließen und im Finale machte Ag2r alles klar für Matteo Montaguti, der in einem knappen und spannenden Sprint Thibaut Pinot besiegte. Montaguti feierte sieben Jahre nach seinem letzten Triumph seinen insgesamt dritten Profisieg. Pinot verhielt sich im Zielsprint als fairer Sportsmann, als er Montaguti auf der rechten Seite doch noch genug Platz ließ. Dritter wurde Rohan Dennis (BMC).

Geraint Thomas stieg aufs Podium und streifte sich erneut das Fuchsia-Führungstrikot über. Auf der morgigen Schlussetappe der Tour of the Alps wird es zum großen Schlagabtausch der Top-Profis in der Gesamtwertung kommen. Von Smarano nach Trient warten 192,5 schwere Kilometer, inklusive dem Passo Durone und dem 1.650 Meter hohen Monte Bondone. Diese Anstiege könnten den dritten Erfolg für das Team Sky bei den letzten Giro del Trentino-Auflagen und der Nachfolgerundfahrt Tour of the Alps noch verhindern.

Stimmen:

Matteo Montaguti

Ich habe sieben lange Jahre nicht mehr gewonnen und bin überglücklich, dass ich diese sieglose Zeit heute beenden konnte. Ich habe im Team viel Druck gemacht, dass wir diese Rundfahrt bestreiten. Für uns ist das die beste Vorbereitung auf den Giro d’Italia. Meine Aufgabe heute war es, im Zielsprint den Gegner so viele Bonussekunden wie möglich wegzuschnappen. Vor allem von Pinot, der vor der heutigen Etappe knapp hinter Domenico Pozzovivo lag. Aber ich glaube nicht, dass mir mein Team den Sieg zugetraut hat. Ich habe meine Erfahrung heute im Zielsprint perfekt ausgespielt, um auf der engen, rechten, windgeschützten Seite an Pinot vorbeizukommen. Nach dem Zieleinlauf bedankte ich mich bei ihm, er hätte mir die Tür zumachen können, das war sehr fair von ihm. Er war ein richtiger Gentleman im Finale.”

An den Anstiegen blieben Dupont und ich bei unserem Kapitän Pozzovivo. Als Dupont bei der letzten Abfahrt attackierte, dachte ich auch schon daran. Am Ende war Duponts Attacke goldrichtig für uns, da Sky hart nachfahren musste. Ich konnte mich so perfekt auf den Zielsprint vorbereiten. Natürlich wäre es toll gewesen, Dupont im Führungstrikot zu sehen, er ist ein großartiger Fahrer. Aber das hektische Finale spielte dann mir in die Karten.”

Im letzten Jahr hatte ich einen sehr guten Giro d’Italia an der Seite von Pozzovivo, heuer bin ich noch stärker. Meine Form ist sehr gut und ich freue mich auf jede Chance beim Giro, der mit harten Etappen in Sardinien beginnt.”

Geraint Thomas

Es war eine harte Etappe heute, unsere Gegner haben uns richtig unter Druck gesetzt. Aber erneut hatte ich ein starkes Team. Ohne die fantastische Arbeit meiner Teamkollegen hätten wir die Gesamtführung heute verloren.”

Ich denke sowohl Mikel Landa als auch ich haben sehr gute Chancen für den Giro d’Italia: Wir werden in die dritte Woche gehen und dort schauen, wer besser drauf ist. Ich denke, es ist besser zwei Asse im Ärmel zu haben, das nimmt auch Druck von uns beiden. Unsere Mannschaft ist bärenstark und hoffe bei diesem Giro auf mehr Glück als in den vergangenen Jahren.”

Auf der schweren letzten Etappe der Tour of the Alps rechne ich mit Vollgas und einem harten Schlagabtausch. Ich wollte heute am Ende mitsprinten, aber habe einen Schlag bekommen. Pinot war erneut knapp am Sieg dran. Er ist in einer sehr guten Form und auf ihn werde ich morgen genau aufpassen müssen. Aber es gibt noch mehr starke Fahrer in den Top-10, auf die wir morgen achten müssen.”