Junge Talente wachsen bei der #TotA über sich hinaus: Nach Sosa triumphiert O‘Connor

Auf dem dritten Teilstück zwischen Auer und Meran flogen die Funken: Von den Favoriten wurde ein mutiger Thibaut Pinot mit dem Trikot des Gesamtführenden belohnt. Den Tagessieg trug der junge Australier vom Team Dimension Data davon.

Die Tour of the Alps steht heuer ganz im Zeichen der Unterhaltung, der Überraschungen und von Protagonisten, die sich absolut nicht an Vorhersagen halten. Denn wer gedacht hatte, dass sich auf dem dritten Teilstück von Auer nach Meran (138,3 km) die Favoriten nach dem kräftezehrenden Anstieg auf die Alpe di Pampeago zurücklehnen würden, der wurde eines Besseren belehrt. Immer wieder wurde attackiert, gab es einen Schlagabtausch nach dem anderen. Die Folge: Ein neuer Führender im Gesamtklassement und ein weiterer junger Fahrer, der sich auf den Straßen der Euregio Tirol-Südtirol-Trentino wirkungsvoll mit einem Etappensieg in Szene setzte.

Wahrscheinlich nur einige Wenige kannten bis zum gestrigen Etappenfinale den Namen von Ben O‘Connor (Dimension Data), der im Weißen Trikot gemeinsam mit den Top-Favoriten die steile Rampe hinauf nach Pampeago in Angriff nahm. Heute legte der 22-jährige Australier, der bis vor vier Jahren ein Läufer war und mit Radsport wenig am Hut hatte, den Beweis ab, dass seine Topleistung kein Zufallsprodukt war. Dank eines eindrucksvollen Schluss-Sprints holte er sich den zweiten Sieg seiner Karriere.

Richtiges Timing, aber nicht nur: Genau dieser O‘Connor hatte rund 50 Kilometer vor dem Ziel auf dem Gampenpass gemeinsam mit Thibaut Pinot und Domenico Pozzovivo zum Gegenschlag ausgeholt, nachdem sie die ersten Angreifer des Tages – Giovanni Visconti (Bahrain-Merida), Matteo Montaguti (Ag2R-La Mondiale), Manuel Senni (Bardiani-CSF) und Stephan Rabitsch (Felbermayr-Simplon) – gestellt hatten. Dieser Versuch konnte erst auf den letzten Kilometern auf der Abfahrt in Richtung Meran neutralisiert werden – vor allem dank der aufreibenden Arbeit für Kapitän Chris Froome des kompakt agierenden Team Sky.

8 Kilometer vor dem Ziel probierte es der junge Australier neuerlich, dieses Mal ganz alleine, und nutzte eine Unsicherheit der Spitzengruppe, die auf zehn Fahrer geschrumpft war und in der sich der Träger des Fuchsia Trikots nicht mehr befand: Ivan Ramiro Sosa war gestürzt. Der kolumbianische Fahrer vom Team Androni-Sidermec erreichte das Ziel mit 4 Minuten Rückstand und musste seinen Hoffnungen auf den Gesamtsieg damit begraben.

O‘Connor hingegen wurde von den vielen Fans in Meran bei strahlendem Sonnenschein feierlich empfangen, riss die Arme bei der Zieldurchfahrt nach oben und setzte sich mit einer handvoll Sekunden Vorsprung auf die Top-Favoriten durch, darunter Thibaut Pinot und Domenico Pozzovivo auf den Rängen zwei und drei, die mit ihm den Fluchtversuch unternommen hatten. Für den Franzosen Pinot, der im vergangenen Jahr die letzte Etappe in Trient gewonnen hatte, war es ein weiteres Topergebnis bei der Tour of the Alps. Und obendrein gab es für ihn das Fuchsia Trikot.

Im vergangenen Jahr habe ich dieses Trikot und das Rennen nur um 4 Sekunden gegenüber Geraint Thomas verloren. Heuer habe ich es mir wiedergeholt und ich werde alles daran setzen, damit ich es bis zum Schluss trage. Heute war unser Angriff nicht geplant, aber als ich die anderen starken Fahrer wie Fabio Aru zulegen sah, wurde ich mutig und bin gestartet. Das ist meine Art, Rennen zu fahren und ich denke dass ein Rennen wie die Tour of the Alps mit ihren kurzen aber sehr anstrengenden Etappen geradezu prädestiniert ist, um ein großes Spektakel abzuliefern.“

Im Rampenlicht stand heute aber ganz besonders Ben O‘Connor – immer mit einem Lächeln auf den Lippen und mit dieser gewissen Leichtigkeit, die wohl nur Radfahrer in sich haben, die den Radsport als Spiel sehen und die Tag für Tag ihr eigenes Potenzial entdecken: „Unser Ziel bei Dimension Data war es, einen Etappensieg davonzutragen. Wir sind glücklich, dass wir das in die Realität umgesetzt haben. Nach meinem Rennen gestern wollte ich heute konzentriert bleiben und eventuell die Chance auf ein weiteres Spitzenergebnis nutzen. So habe ich am Gampenpass attackiert. Die langen Anstiege liegen mir, das heutige Teilstück kam mir sehr zugute. Im vergangenen Jahr habe ich in Gröden trainiert und es war phantastisch. Offensichtlich habe ich mit Südtirol ein gutes Feeling.